Vom Krebs geheilt!

»Mama, die wissen doch gar nicht, was das Leben wert ist!«
Diesen Satz sagte Charlotte zu mir, als wir letzte Wochen zusammen im Auto fuhren und gerade in einem Radiobeitrag über die steigende Selbstmordrate von Jugendlichen und Kindern gesprochen wurde.
Ja, wie kostbar das Leben ist und wie hart man manchmal darum kämpfen muss, das hat Charlotte erfahren. Sie war 10 Jahre alt, als vor fast genau einem Jahr die Diagnose kam, die unser ganzes Leben verändert hat.

Angefangen hat alles mit Schmerzen in einem Bein und dann auch im Rücken, die immer wieder in der Nacht auftraten. Charlotte wurde davon aus dem Tiefschlaf wach und hatte schreckliche Schmerzen, gegen die einfach nichts helfen wollte. Niemand hatte dafür eine Erklärung, zumal am Tage zunächst überhaupt keine Beschwerden vorlagen. Alles wurde dann aber sehr schnell schlimmer, die Schmerzen im Bein traten dann auch schon sehr heftig am Tage auf und immer noch wusste kein Arzt, was das sein könnte. Erst im Krankenhaus wurde dann die Diagnose gestellt – Charlotte hatte Krebs. Es war ein Lymphoblastisches Lymphom, mit einem großen Tumor im Rücken, der einen Wirbel vollständig umschloss und bereits Absiedlungen in beiden Unterschenkelknochen gebildet hatte.
Diese Diagnose traf uns aus heiterem Himmel und völlig unvorbereitet. Unser Kind, sportlich und eigentlich immer gesund Krebskrank im bereits fortgeschrittenen Stadium ? wir haben Tage gebraucht, um zu verstehen, was uns die Ärzte da gesagt hatten. Man funktioniert, weil man es ja muss, aber innerlich haben wir immer zu Gott gefleht und gerungen um Kraft für diese so schweren Tage, wo uns die Wogen der Verzweiflung und Mutlosigkeit schier verschlingen wollten.

Warum, ja warum nur wir, warum nur Charlotte – auch darauf gibt es keine Antwort! Wir haben gelernt die Frage zu verändern in ein – Herr wozu? Auf der Onkologiestation der Uniklinik in Münster haben wir dann so viele Kinder und Eltern getroffen, die ähnliche Erkrankungen hatten und dann wurde aus dem – warum wir? ein warum wir nicht? Ja, das ist etwas was sich jeder bewusst machen muss, es gibt auch für einen gläubigen Menschen keine Garantie auf ein gesundes langes Leben! Aber einen sehr wichtigen Unterschied gibt es schon: unser Leben und auch das Leben unserer Tochter lag immer in Gottes Händen, nichts würde geschehen, was er nicht zulässt und seine Wege sind immer gut und heilsam für uns. Auch kann Gott Heilung schenken und Dinge so wenden, wie wir uns das niemals vorstellen können, egal wie die Prognosen der Ärzte sind. Alle diese Verheißungen gelten für Menschen, die Gottes Kinder sind und damit haben wir die beste Lebensversicherung, die man sich vorstellen kann, sie reicht auch über den Tod hinaus. Immer und immer wieder haben wir als Eltern uns dieses gegenseitig gesagt, gerade so, als könnte man es vergessen haben – nein, aber es war immer wieder tröstlich es neu zu denken und erneut die eigene Angst und Ohnmacht in Gottes Hände zu legen. Neun Tage hat es gedauert, bis die Ärzte anhand von Gewebeproben die genaue Diagnose Lymphoblastisches Lymphom stellen konnten. Damit war dann auch klar, welche Form der Behandlung eingeleitet wurde. Anfang November 2006 wurde mit einer Chemotherapie begonnen, die ca. sieben Monate dauern sollte. Für uns war das unvorstellbar, was da alles auf uns zu kommen würde. Charlotte fragte auch immer wieder danach, aber welche Antwort sollten wir denn geben?

Als Eltern ist man für ein Kind ja immer die Instanz, die mit allen Problemen fertig wird, Eltern können alles regeln, helfen immer und wissen auch die Antworten auf die Fragen der Kinder – hier aber gab es keine Antwort! Für Charlotte war es eine ganz neue Erfahrung, die Hilflosigkeit der eigenen Eltern zu sehen. Dadurch begriff sie auch ganz schnell, dass ihre Krankheit wirklich schlimm war. Gott hat uns dieses Kind anvertraut , damit wir es aufziehen sollten und ins Leben begleiten sollten – in diesen ersten Tagen da in der Klinik in Münster, in denen Charlotte von Tag zu Tag schlimmere Schmerzen hatte, die kaum mit Schmerzmitteln behandelbar waren , da sind wir gemeinsam vor Gott getreten und haben gesagt: Herr, du hast uns dieses Kind geschenkt, aber jetzt können wir nichts mehr für sie tun, wir können sie nicht behüten und auch nicht helfen, wir bringen sie zu DIR zurück und legen sie allein in deine Hände, lass geschehen, was dir wohlgefällt mir ihr, aber bitte nimm ihr diese schrecklichen Schmerzen. Ja, wir haben Verantwortung zurückgegeben an unseren Vater im Himmel der unsere Charlotte ja nicht weniger liebt als wir es tun. Auch wussten wir ja, dass die ganze Gemeinde und auch darüber hinaus noch sehr viele Menschen ernsthaft für uns als ganze Familie beteten und das hat uns sehr getragen. Schon nach den ersten drei Wochen Aufenthalt in der Uniklinik in Münster wurde eine neue Aufnahme von dem Tumor in Charlottes Rücken gemacht. Die Lage war ursprünglich so gefährlich gewesen, dass Charlotte nur sehr vorsichtig laufen durfte. Gar nicht denkbar gewesen wäre es, uns damit nach Hause gehen zu lassen. Leicht hätte es zu einer Quetschung des Rückenmarks kommen können. Die Therapie lief aber gerade erst zwei Wochen und so viel Veränderung war eigentlich nicht zu erwarten. Charlotte hatte aber solch eine Sehnsucht nach Hause, dass die Ärzte sich dann doch darauf eingelassen habe zu einem so frühen Zeitpunkt eine erneute Untersuchung durchzuführen. Die Aufnahmen zeigten dann zu aller Überraschung einen massiven Rückgang des Tumors und somit durften wir nach Hause und die restliche Therapie weitgehend ambulant durchführen.Dieses war für uns eine große Gebetserhörung und hat uns sehr viel Kraft und Mut gegeben. Der junge Arzt, der uns an diesem Tag entließ hatte Tränen in den Augen und wünschte. Charlotte weiter Gottes Segen auf ihrem Weg . Schön, dass es auch noch solche Ärzte gibt. Sieben Monate , mit sehr sehr schweren Tagen, mit Schmerzen und großer Schwäche, manchmal aber doch auch mit schönen Tagen und Wochen – durch alles haben wir uns von Gott getragen gewusst und gefühlt . Begleitet durch liebe Menschen, die uns sehr nahe getreten sind und mit uns geweint, gebetet und gelacht haben. Ja, wie wichtig die Gemeindefamilie in solchen Zeiten wird, das kann man sich ohne solche selbst erlebten Tiefen kaum vorstellen. Wir danken Euch allen sehr, die Ihr für uns gebetet habt und weder Zeit noch Mühe gescheut habt, wenn es darum ging uns zu Helfen oder Charotte eine Freude zu machen. Gottes spürbarer Segen lag für uns so deutlich auf der Behandlung von Charlotte. Bereits im Februar bekamen wir das Ergebnis aus Münster, dass in Ihrem Körper keine Krebszellen mehrnachweisbar waren. Trotzdem wurde die Behandlung fortgesetzt, da die Ärzte diesen Zustand einfach absichern wollten. Am 28.Mai 2007 fand dann aber die letzte Anwendung in Münster statt und damit

waren dann diese langen Monate doch irgendwie rum gegangen. Es sind keinerlei bleibende Schädigungen an den Organen aufgetreten, obwohl die Gifte, die da in den Körper unseres Kindes eingelaufen sind doch wirklich hätten auch schlimmes bewirken können. Immer wieder wurde das Herz untersucht und die Nieren und die Leber – nie ist irgendeine Veränderung gefunden worden. Ach wir sind einfach sehr sehr dankbar und freuen uns. Gott hat uns dieses Kind noch einmal geschenkt, so empfinden wir es und sind ihm sehr dankbar dafür. Charlotte geht es gut, sie hat sich erholt und geht inzwischen auch wieder ganz normal zur Schule. Sicher, sie ist kein so ganz unbeschwertes Kind mehr – sie weiß, wie kostbar Leben ist und dass man sehr behutsam damit umgehen muss, weil man es nur einmal hat und nicht weiß wie lange es einem gehört!

Ja wir alle müssen es lernen mit unserer Zeit behutsam umzugehen. Sie ist uns geliehen, kostbar, einmalig und unwiederbringlich. Wie lange die uns geschenkte Zeit ist – keiner weiß es und auch Jugend und Gesundheit sind keine Garantie – unser Kind war nur 10 Jahre alt, als sie dem Ende Ihres Lebens ganz deutlich ins Gesicht sehen musste und schau dich mal um – andere sind noch viel jünger ….. Das alles soll uns keine Angst machen – nein, es soll uns lehren unsere Zeit, wie lang sie auch sein mag in die Hände dessen zu legen, der uns die Zeit schenkt und lenkt. Dann haben wir die beste Lebensversicherung gewählt, die einzige Garantie und Sicherheit, die wirklich in allen Tiefen des Lebens trägt.

Stefanie und Roland

Quelle:   http://www.gemeinde-gottes-herford.de

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