Verfasser der Schindlers Liste

Stadt Augsburg. Im Alter von 91 Jahren ist Mietek Pemper, der Verfasser der berühmten Liste von Schindler, gestorben. Die Mitglieder dieser Liste, 1200 Juden, sind von dem Tod in den nazistischen Konzentrationslagern gerettet worden.Der judische Deutsch-Pole Mietek Pemper wurde mit seiner Familie 1941 im sogenannten „jüdischen Wohnbezirk“ in Podgórze eingesperrt, das in der Nachkriegszeit Krakauer Ghetto genannt wurde. Im März 1943 wurde er als Häftling in das Konzentrationslager Krakau-Płaszów verlegt, wo er bis September 1944 blieb.

Fast während seiner gesamten Zeit im KZ war er aufgrund seiner mehrsprachigen Kurzschriftkenntnisse als persönlicher Schreiber des Lagerkommandanten Amon Göth tätig. In dieser Stellung nahm er, um Bestrafungen für Rechtschreibfehler bei Namen zu entgehen, regelmäßig Einblick in Kohlepapierblätter der deutschen Sekretärin Göths für geheime Unterlagen, darunter solche der SS und der deutschen Regierung. Informationen daraus, insbesondere den Befehl zur Auflösung aller Lager mit nicht „kriegswichtiger“ Produktion, leitete er u.a. an den Fabrikbesitzer Oskar Schindler und dessen jüdischen Buchhalter Itzhak Stern weiter. Da die „Deutsche Emailwarenfabrik“ Geschirr und Kochgeräte für die Wehrmacht herstellte, ließ Oskar Schindler sein Unternehmen von der deutschen Militärverwaltung als kriegswichtig einstufen. Dadurch konnte er hundert Juden aus dem KZ als billige Arbeitskräfte anfordern. Wenn einer der jüdischen Arbeiter in ein Vernichtungslager geschickt werden sollte, fälschte Oskar Schindler Unterlagen, um beispielsweise einen Akademiker als qualifizierten Metallarbeiter darstellen zu können, den er unbedingt für die kriegswichtige Produktion benötigte. Aufgrund des Vormarsches der Roten Armee gaben die Deutschen das KZ Plaszów Ende 1944 auf und deportierten die meisten der über 20 000 jüdischen Gefangenen in die Vernichtungslager. Oskar Schindler erschlich sich die Genehmigung, seinen Betrieb nach Brünnlitz bei Zwittau zu verlegen und verwendete sein gesamtes Geld, um so viele Juden wie möglich als Arbeitskräfte zu kaufen. Die Namen von 800 Männern und 300 Frauen standen auf Schindlers Liste.

Als Göth im September 1944 wegen Unterschlagung von Wertsachen verhaftet wurde, konnte Oskar Schindler auch Pemper als Zwangsarbeiter in seine Fabrik übernehmen und ihn damit vor der Ermordung retten.

Nach der Zerschlagung des Nazi-Regimes nahm Pemper in Polen ein Studium der Soziologie auf und erreichte den Magister-Grad in Ökonomie. Er pflegte außerdem seine kranke Mutter und arbeitete als Dolmetscher bei den Kriegsverbrecher-Prozessen in Polen. Bei einigen dieser Gerichtsverhandlungen sagte er auch als Zeuge aus, insbesondere war er Hauptzeuge im Prozess gegen Amon Göth. Bei diesen Prozessen stellte sich heraus, dass er der einzige jüdische Schreiber eines KZ-Lagerkommandanten war.

1958 übersiedelte Pemper aus Polen nach Süddeutschland und war in Augsburg als Unternehmensberater tätig. Der Augsburger Ehrenbürger starb am 7. Juni 2011 im Klinikum Augsburg.

Pempers Berichte dienten unter anderem dem Regisseur Steven Spielberg als Grundlage seines 1993 veröffentlichten Films Schindlers Liste, durch den weltweit über 100 Millionen Menschen von der Rettungsaktion erfuhren. Die Tätigkeiten Pempers und Sterns hat Spielberg aus dramaturgischen Gründen in der Figur des Schindler-Buchhalters zusammengefasst, sodass Pempers Anteil weniger bekannt wurde.

Erst durch die Aufarbeitung seiner Lebensgeschichte für Spielberg konnte sich Pemper in späteren Jahren dazu überwinden, auch in Schulklassen und bei Vorträgen sein Schicksal zu erzählen. Zusammen mit Viktoria Hertling und Marie Elisabeth Müller veröffentlichte er 2005 seine Erinnerungen in dem Buch Der rettende Weg. Schindlers Liste – Die wahre Geschichte.

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