SWR predigt Homo-Ehe im Pfarrhaus

Die Debatte um die Homo-Ehe im Pfarrhaus lässt die Evangelische Kirche nicht los. In zwei Andachten hat sich nun auch die Kirche im SWR dem Thema gewidmet und eine stärkere Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften gefordert. Die Hörer reagierten überwiegend kritisch.

Wie weit sollte die Kirche bei der Homo-Ehe gehen? Darüber dachte die „Kirche im SWR“ nach.

Rundfunkpredigerin Sabine Drecoll von der Evangelischen Kirche findet, jede verantwortlich gelebte Liebesbeziehung stehe unter dem Segen Gottes – auch eine homosexuelle. Das erklärte die evangelische Christin am Freitag in einer Morgenandacht des SWR. „Für mich ist die Grundaussage der Bibel, dass jeder Mensch von Gott geliebt ist, egal ob Frau oder Mann, reich oder arm, alt oder jung, Single oder verheiratet, hetero- oder homosexuell“, sagte sie ihren Hörern, und weiter: „Als Gottes geliebte Geschöpfe hat Gott uns mit guten Gaben beschenkt: mit Verstand, Herz, Seele, Körper und Sexualität.“ Letztere sei dann in Gottes Sinne, wenn die Menschen sich achteten und respektierten. Das könnte auch in homosexuellen Partnerschaften der Fall sein, so die Schlussfolgerung.

Erst am 24. Februar hatte auch Wolf-Dieter Steinmann, der verantwortliche Redakteur der Rundfunkarbeit der Kirchen am SWR, das Thema Homosexualität aufgegriffen. Er persönlich fände es richtig, wenn homosexuelle Partner miteinander im Pfarrhaus leben könnten, sagte er da, und weiter: „Ich finde, man muss die verschiedenen Lebensverhältnisse sehen, um zu verstehen, was biblische Sätze heute bedeuten. In den Passagen, in denen die Bibel von gleichgeschlechtlicher Sexualität spricht, geht es nicht um Lebenspartnerschaften. Ich kann darum eine homosexuelle Partnerschaft heute nicht mehr als ‚Gräuel‘ verstehen, weil ich dann die Nächstenliebe missachten würde. Für mich bedeutet Nächstenliebe, dass ich Sexualität und Glück des anderen nicht unmöglich mache, sondern achte und ihm gönne, wenn er verantwortlich lebt.“

Außergewöhnlich viel Kritik

So viele Reaktionen wie auf diese Andacht habe er selten erhalten, sagte Steinmann gegenüber pro. Die meisten seien kritisch gewesen. Für ihn ist das kein Problem: „Ich habe das erwartet“, sagte er. Deshalb habe er in seiner Andacht eindeutig klar machen wollen, dass es sich dabei um seine persönliche Meinung handele. „Wenn jemand Gegenargumente hat, kann ich gut damit umgehen“, erklärte er. Auf die Frage, ob das Thema „Homo-Ehe im Pfarrhaus“ überhaupt in eine Verkündigungssendung gehöre, antwortete er: „Auch jene, die nichts mit Kirche zu tun haben, sollen an dieser lebendigen Debatte teilhaben können.“ Doch auch für christliche Hörer könnten Andachten wie seine zur Klärung beitragen.

Noch ein weiteres Mal will Steinmann das Thema deshalb im SWR behandeln. In der Sendung „Begegnungen“ will er ein homosexuelles Paar interviewen, das gemeinsam im Pfarrhaus lebt. Es soll in der Sendung besonders um die Reaktionen der Menschen im Umfeld des Paares gehen. „Dann soll es mit dem Thema aber auch gut sein“, sagte Steinmann.

Auslöser der Debatte war die Einführung eines bundesweit einheitlichen Dienstrechts für evangelische Pfarrer. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat dazu eine Weisung verabschiedet, die eine Öffnung der Pfarrhäuser für homosexuelle Paare zulässt. Kritik gegen diese Öffnung kam Ende Januar von acht evangelischen Altbischöfen. Die Evangelische Vereinigung für Bibel und Bekenntnis in Baden, dem Einzugsgebiet des SWR, warnte die Kirchenleitung zudem davor, die Homo-Ehe im Pfarrhaus zuzulassen. Durch die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare werde die weltweite Einheit der Christenheit „schwer beschädigt“, heißt es laut Evangelischem Pressedienst (epd) in einem Anfang Februar veröffentlichten Brief.

Quelle: www.pro-medienmagazin.de

Christen und Medien, Gesellschaft

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