Scott Hamilton: „Gott ist da, um dich durch alles durchzutragen.“

Er war einer der besten Eiskunstläufer der USA: Scott Hamilton. Er galt als unschlagbar, wurde Welt- und Olympia-Meister und gewann 16 nationale und internationale Wettbewerbe in Folge. Doch auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. Und das änderte sein komplettes Leben…

«Niemand ist darauf vorbereitet, vor drei Billionen Menschen auf die Olympische Bühne zu treten. Da hat jeder die Hosen voll! Aber ich habe einen Weg gefunden, gut genug zu sein und Gold zu gewinnen. Je mehr ich darüber nachdenke, umso unglaublicher finde ich das selbst», erinnert sich Scott Hamilton.

 

Leben auf dem Eis

Als Kind litt ich an einer mysteriösen Krankheit, die mein Wachstum hemmte. Ich war fast mehr im Krankenhaus als daheim. Aber wenn ich mal das Krankenhaus verlassen durfte, ging ich sofort ins Eisstadion. Das lenkte mich ab und machte mir riesig viel Spass. Mit der Zeit wurde ich immer besser im Eislaufen und begann an Wettbewerben teilzunehmen. Ich war ja klein genug und gut war ich auch.

Der frühe Tod der Mutter

Mein Leben nahm eine Wende als meine Mutter ihren Kampf gegen Krebs verlor. Es brach mir mein Herz, aber es rüttelte mich auch wach. Ich fing an, alles zu hinterfragen und wusste, dass mein oberflächliches Leben nicht alles sein kann. Und ich musste eine neue Kraftquelle suchen. Bislang war meine Mutter meine Stütze gewesen, sie hatte mir immer beigestanden, mich aufgebaut und ermutigt.

Ich wollte richtig gut werden, in dem was ich tat. Ich wollte meiner Mutter alle Ehre machen. Und so trainierte ich hart. Und ich hatte das Glück, mein Hobby zu meinem Beruf machen zu können. Es machte mir Spass, der Entertainer auf dem Eis zu sein. Bis mein Leben wieder eine Wende nahm.

Konfrontiert mit Leben und Tod

Auf dem Höhepunkt meiner Karriere 1997, erhielt ich selbst die Diagnose Krebs. Ich musste alle weiteren Wettbewerbe absagen und bekam Chemotherapie. Aber ich besiegte den Krebs.

Diese Phase in meinem Leben brachte mich wieder an einen Punkt, an dem ich mich ganz neu sortieren musste. Warum hatte ich es geschafft? Warum hatte der Mensch, den ich am Meisten geliebt hatte – meine Mutter – nicht überlebt? Ich hatte den Krebs besiegt, sie nicht. Warum? Was war meine Bestimmung hier auf Erden? Was meine Aufgabe?

Auf der Suche nach Gott

Meine Freundin Tracy nahm mich zu der Zeit mit in die Kirche und stellte mich einem Pastor vor, Ken Durham. Und was er mir sagte, war aussergewöhnlich. Er sagte: «Du musst wissen, dass der Glaube an Jesus keine blosse Religion ist. Er hat wirklich gelebt und diese Dinge sind wirklich passiert.»

Ich fand, dass das ein guter Ansatz war. Und so fing ich an, in der Bibel nachzuforschen, was passiert war und was das mit meinem Leben zu tun hat. Dadurch wuchs mein Glaube. Stück für Stück begriff ich mehr von dem, was Jesus getan hat und konnte es auch glauben.

Tracy und ich verlobten uns und heirateten. Doch wenn man Hodenkrebs hatte, macht man sich schon Gedanken, ob man jemals Kinder haben kann. Zwei Tage und neun Monate nach unserer Hochzeit wurde unser Sohn geboren! Es war ein echtes Geschenk Gottes.

Wieder Krebs

Wir lebten also ein glückliches Familienleben und ich dachte, ich habe alles überstanden als ich wieder eine Schock-Diagnose erhielt: Man hatte einen Tumor in meinem Gehirn entdeckt.

Ich war wie paralysiert. Wie sollte ich das meiner Frau beibringen? Wir hatten einen Sohn, der gerade 14 Monate alt war. Wie konnte ich es meiner Frau sagen? Als wir uns trafen, fragte sie nach den Neuigkeiten. Und ich sagte: «Ich habe einen Gehirntumor.»

Ohne zu zögern, nahm Tracy meine Hände und fing sofort an zu beten. Ich wusste in diesem Moment, das die kommenden Monate alles auf den Prüfstand stellen würden, meinen Glauben, mein Vertrauen, mein Leben.

Tracy und ich schlossen einen Pakt: Was auch immer auf uns zu kommen würde, wir wollten bereit sein und es aus Gottes Hand nehmen.

In Gottes Hand

Bei der Biopsie wurde ein Loch in meinen Kopf gebohrt und die Ärzte gingen mit einer Nadel durch mein Gehirn, um einen Teil des Tumors zu entnehmen. Ich wusste, dass allein bei dieser Untersuchung alles auf dem Spiel stand.

Ich erinnere mich, wie ich wieder aufwachte und auf meinen Wecker schaute, es war 10:20 Uhr. Ich wusste, wo ich war und als nächstes sah ich meine Frau, die mich anlächelte und sagte: Was auch immer auf uns zu kommt…

Wie sich herausstellte hatte ich den Tumor seit meiner Geburt in meinem Kopf. Das war auch der Grund gewesen, warum ich als Kind nicht gewachsen bin. Das war die mysteriöse Krankheit gewesen, die ich gehabt hatte und die nie diagnostiziert worden war – weswegen ich aber auch zum Eislaufen gekommen war.

In meinem Kopf ratterten die Gedanken: Wer wäre ich ohne diesen Tumor geworden? Ich bin nur 1,60 m gross, was wäre, wenn ich grösser geworden wäre? Etwa 1,80 m? Wo wäre ich jetzt?

Rückblickend könnte ich sagen: Warum hat man das nicht früher erkannt? Ich könnte mich auch entscheiden, auf alles Negative zurückzuschauen, auf das Leid und die viele Zeit im Krankenhaus.

Aber ich entschied mich dazu, zurückzuschauen und zu sagen: Dieser Tumor ist das grösste Geschenk in meinem Leben, weil er alles andere möglich gemacht hat. Ich bin reich gesegnet. Mein Leben liegt in Gottes Hand

Wer ist Gott?

Nachdem der Tumor entfernt wurde, hatte ich sechs Jahre Ruhe, dann kam er wieder. Und dieses Mal packte mich die Angst. Ich glaubte nicht daran, dass ich das noch einmal überleben könnte. Mit einem Mal fühlte ich mich wirklich schwach. Meine Sorgen hielten mich bis tief in die Morgenstunden wach. Ich fühlte mich unwohl.

Eines Abends fragte mich meine Frau, ob sie etwas für mich tun kann. Aber ich sagte nur «Nein, ich habe einfach ein bisschen Angst.» Sie wollte wissen, ob ich beten würde und wenn ja, was ich Gott sage. Ich antwortete: «Ich danke Gott einfach für all den Segen, den er in mein Leben gebracht hat.» «Bittest du ihn auch um etwas?», wollte sie wissen. «Nein, ich will ihm nur sagen, dass ich dankbar bin.»

«Wer ist Gott für dich?», fragte sie und ich sagte: «Er ist mein Vater». Was sie darauf sagte, veränderte mein Denken und meine Gebete: «Wenn dein Kind verletzt wäre, würdest du nicht wollen, dass es zu dir kommt und sich trösten lässt? Dass es ganz ehrlich sagt, wie es sich fühlt?»

Und so fing ich auch an, Gott meine negativen Seiten offenzulegen, meine Ängste, meine Sorgen, meine Schwächen. Ich bat ihn um Kraft. Um Mut. Und um alles was mich bewegte.

Und wieder konnte der Tumor erfolgreich entfernt werden.

Rückblick

Wenn ich zurückschaue und all diese Momente in meinem Leben sehe, wo ich eine ganze Menge Kraft gebraucht habe, erkenne ich, dass man mit einer tiefen Beziehung zu Jesus alles aushalten und schaffen kann.

Ich habe gelernt, dass die einzige Behinderung die man im Leben haben kann, eine negative Einstellung ist. Gott ist da, um dich durch alles durchzutragen. Auch durch die harten Zeiten. Ich sage das, weil ich es erlebt habe: Gott war in jedem einzelnen Moment bei mir. Immer.»

 

 

Quelle hier

Gesellschaft

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