Heavenly Man

 Heavenly Man

Als würde sich die Apostelgeschichte in unserer Zeit in China wiederholen: Yun kommt mit 16 zum Glauben. Er wird verhaftet, kann entkommen, wird wieder verhaftet und im Gefängnis gefoltert. Doch er bleibt ein Zeuge G

ottes. In riesigen Wellen verbreitet sich der Glaube in China.

Von der chinesischen Polizei nach Namen und Wohnort gefragt, will er beides nicht preisgeben, um die Christen in seiner Hauskirche nicht zu gefährden. Er antwortet: „Ich bin ein Mann des Himmels. Ich wohne im Evangeliumsdorf.“ So kommt Yun zu seinem Spitznamen „Heavenly Man“.

Verhaftet und gefoltert

Sein Leben liest sich wie ein Abenteuerroman. Oder besser: wie eine neue Version der Apostelgeschichte. Mit 16 wendet sich Yun dem christlichen Glauben zu und weiss sich bald von Gott beauftragt. So predigt der Bauernsohn bereits kurz nach seinem Bekehrungserlebnis zum ersten Mal. Den chinesischen Behörden ein Dorn im Auge, wird er immer wieder verhaftet, kann aber mehrfach auf wundersame Weise fliehen. Doch schliesslich kommt er ins Gefängnis und wird schwer gefoltert. Sein „Verbrechen“: Er dient einem Reich, das nicht von dieser Welt ist. Was das für ein Reich ist, das verstehen seine Peiniger nicht, aber sie wissen: Es ist nicht der Kommunismus, den er verkündet.

„Yun hat das Leiden nicht gesucht, sondern ist ihm, wenn möglich, ausgewichen. Sein Ziel ist es, in jeder Lage das Evangelium zu verkündigen…

„Der Dienst ist nicht wichtiger als die Familie!“

Der Bericht gibt ein überwältigendes Beispiel für Gottes Treue und Barmherzigkeit, wie er eine Familie durch viel Leiden hindurch getragen und treu erhalten hat.“ Yun berichtet auch offen von verschiedenen Fehlern und wie er lernen musste, seine Familie nicht zu vernachlässigen. Eindringlich warnt er die Verkündiger im Reich Gottes, dass nicht der Dienst wichtiger werde als die Liebe zu Gott und zur Familie.

Als „Gottes Gnade“ bezeichnet es Yun, dass er auch im Gefängnis standhaft an seinem Gott festhält. Manche Gefangenenwärter merken, dass er kein brutaler Verbrecher ist, sondern ein christlicher Pastor, von dem etwas ausgeht, was ihnen fehlt. So stecken sie einmal einen jungen Mann in seine Zelle, der wegen Vergewaltigung und Mord zum Tode verurteilt ist und schon mehrfach versucht hat, sich umzubringen. Yun soll dafür sorgen, dass der Todeskandidat bis zur Hinrichtung am Leben bleibt.

Auch ein Mensch

Huang ist verwahrlost wie ein Tier, er hasst und wird gehasst. Der junge Mann hat mit dem Leben vollkommen abgeschlossen. Yun überredet die anderen Männer in der Zelle, die sich durch ihn ebenfalls dem christlichen Glauben geöffnet haben, Huang wie einen „verlorenen Sohn des himmlischen Vaters“ aufzunehmen. Zuerst wollen sie nicht, aber als sie sehen, wie Yun ihm behutsam das Gesicht wäscht, freundlich mit ihm spricht und sein karges, kostbares Essen mit ihm teilt, sehen sie hinter dem verdreckten, finsteren Äusseren den verzweifelten Menschen. Als Huang zur Hinrichtung geführt wird, hat er den Frieden Jesu gefunden und stirbt ruhig und versöhnt, in der Hoffnung auf das ewige Leben.

„Gott, du hast mich betrogen“

In seiner ersten langen Haft beginnt Yun ein wochenlanges Fasten, nimmt keinerlei Essen oder Flüssigkeit zu sich. Auf diese Weise hofft Yun, die Folterungen zu überstehen, ohne andere Christen zu verraten. Er konzentriert sich ganz auf das Gebet und schweigt auf alle Fragen seiner Peiniger. Im Gefängnis spricht sich das herum und dringt auch nach draussen: Da lebt ein Wundermann ohne Essen und Trinken. Unzählige Male wird versucht, Yun in der Haft körperlich und seelisch zu zerbrechen. Schliesslich wird er im Hochsicherheitsgefängnis von Zhengzhou so misshandelt, dass er endgültig seine Beine nicht mehr bewegen kann. Yun ist am Tiefpunkt seines Lebens. Alles hat er mit Gottes Kraft ertragen: Elektroschocks und viele andere furchtbarste Folterungen. Aber jetzt fängt er an, mit Gott zu hadern. Er wollte doch für ihn arbeiten. Und jetzt verrottet er dort. Seine Beine sind schon schwarz, er sieht keine Zukunft mehr für sich. „Du hast mich betrogen!“, wirft er Gott vor.

Die Flucht

Da bekommt er eines Morgens auf dreierlei Weise die Aufforderung, er solle fliehen – durch ein Bibelwort, durch den Mitgefangenen Xu Yongze, einen der Haupt-Verantwortlichen der Hauskirchen-Bewegung, und in einer Vision. Doch Yun kann sich nicht vorstellen, wie das gehen soll, da ihm seine Beine seit der letzten Misshandlung den Dienst versagen. Zur Toilette muss ihn jeweils ein Gefangener tragen, die Zellengenossen waschen seine Wäsche, weil er nicht mehr in der Lage ist, sich aufzurichten…

Aber er geht los. In dem Moment, als er die Eisentür auf seinem Stockwerk erreicht, wird sie für einen Mitgefangenen geöffnet, der auf seine Zelle zurückgebracht werden soll. Zeitgleich klingelt ein Telefon, der Wächter läuft los, um abzunehmen, nimmt keinerlei Notiz von Yun! Der andere Gefangene guckt Yun völlig entgeistert an und geht in seine Zelle.

Die nächste Sicherheitstür steht offen, da ein Wächter den ganzen Tag daneben sitzt und sie bewacht. Als Yun sie passiert, guckt er durch Yun hindurch, als sei der Pastor unsichtbar. Yun betet die ganze Zeit, Gott möge seine Seele aufnehmen, denn er rechnet fest damit, dass er in den nächsten Sekunden wegen Fluchtversuchs erschossen wird. Doch er setzt einen Fuss vor den anderen. Erst viel später wird ihm bewusst, dass er ja gehen kann!

Verschiedene andere Gefangene sind Zeugen seines Weges vom dritten Stock nach unten. Dann betritt er den Hof. Dort stehen etliche Wächter herum. Yun geht und geht – keiner nimmt von ihm Notiz! Dann das hohe Gefängnistor, das ihn noch von der Freiheit trennt. Es ist nur angelehnt! Yun kann es zuerst nicht glauben. Das Tor stand bisher niemals offen. Und noch nie seit Bestehen dieses Gefängnisses ist jemandem die Flucht gelungen.

Doch nach wenigen weiteren Sekunden ist Yun draussen. Auf der Strasse fährt ein gelbes Taxi vor. Yun steigt ein, der Fahrer fragt, wohin er wolle … Yun ist frei!

Fünf Minuten später beginnt die Grossfahndung. Alle Hauptverkehrsadern der Stadt werden gesperrt, sämtliche Autos kontrolliert. Der Taxifahrer umfährt aber auf Bitten Yuns die grossen Strassen und bringt ihn unentdeckt zu christlichen Freunden. Diese haben in einer Vision Yuns Befreiung gesehen und schon ein Versteck für ihn vorbereitet. Die plötzlich losbrechenden sintflutartigen Regenfälle beseitigen alle Spuren.

Die Behörden sind ratlos: Einem Gefangenen, der sich nicht auf den Beinen halten, geschweige denn einen Schritt gehen kann, gelingt die Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis! Das Fernsehen berichtet von seiner Flucht in den Abendnachrichten. Die anschliessende Untersuchung des Vorfalls führt zu dem Ergebnis, dass Yun bei seiner Flucht keine Hilfe von den anderen Gefangenen oder Wachen erhalten hat.

Geheime Bibelschule

Man hat Yun, einen der Leiter in der chinesischen Hauskirchen-Bewegung, immer wieder als einen modernen Apostel bezeichnet. Durch ihn und zahllose andere Christen breitet sich das Evangelium in China wie in riesigen Wellen aus. Sie kommen kaum nach mit Predigen, Beten und Taufen. Zusammen mit seiner Frau und einigen anderen Verantwortlichen der Hauskirchen-Bewegung gründet Yun versteckt in den Bergen eine geheime Bibelschule, die Mitarbeiter und Evangelisten ausbildet.

Yun ergreift auch die Initiative zur Versöhnung und Einigung verschiedener Hauskirchen-Netzwerke, die durch Gerüchte und Missverständnisse schon lange nicht mehr miteinander gesprochen haben.

Es geschehen viele Wunder. Doch das grösste Wunder ist für Yun nach wie vor, wenn ein Mensch den lebendigen Gott erkennt und zu ihm umkehrt. Das erlebt er auf der Strasse, im Gefängnis, unterwegs.

Zu Christen in der staatlich anerkannten „Patriotischen Drei-Selbst-Kirche“ hat Yun ein offenes, brüderliches Verhältnis. Über die Brüder und Schwestern dort spricht er sehr positiv. Allerdings: Ihre Führung hält er für korrupt, von der Regierung gekauft.

Heute lebt der 47-Jährige mit seiner Frau und den beiden Kindern in Deutschland. Ein Land, das ihn herzlich aufgenommen hat, wie er sagt. Seinen Lebensunterhalt verdient er als Pastor im Reisedienst. Von 20 Jahren Ehe hat er sieben Jahre in Gefängnissen und Lagern verbracht, weitere Jahre lebte er innerhalb Chinas im Untergrund.

Ein schwerer Weg hinter sich

Seine Frau wurde massiv unter Druck gesetzt, sich von ihm scheiden zu lassen. „Dein Mann wird sowieso zum Tode verurteilt.“ Sie und ihre beiden Kinder mussten hungern, da man ihr nach seiner Verhaftung alles genommen hatte, was auch nur irgendeinen Wert besass, sogar die Kochtöpfe. Wie viele Angehörige von Gefangenen erlebten sie die soziale Ächtung im Dorf, auch die meisten Verwandten kehrten ihnen den Rücken: Wer in China den Kontakt zur Familie eines Gefangenen weiterführt, ist Repressalien ausgesetzt.

Auch in seiner neuen Heimat reissen die Angriffe nicht ab. Yun wird als Lügner diffamiert. Aber der Chinese hat gelernt, mit solchen Anschuldigungen umzugehen. Er ist davon überzeugt: Die christliche Gemeinde muss überall, also auch im Westen, mit Attacken von der anderen Seite rechnen. Man sieht dem bescheidenen Mann, der einen im Gespräch anstrahlt, seine unglaublichen Leiden nicht an. Er bezeugt: Jesus hat ihn in keiner Situation allein gelassen. „Ich habe nicht für Jesus im Gefängnis gelitten. Ich war mit Jesus im Gefängnis.“

Jetzt hat Yun zum ersten Mal für ein Buch seine Geschichte selbst erzählt – Paul Hattaway, einem englischen Christen seines Vertrauens. Der Fachmann für die Entwicklung der modernen chinesischen Kirchen leitet „Asia Harvest“, eine Organisation, die die Arbeit der chinesischen Gemeinden unterstützt. Er lebt zurzeit in Thailand.

Man glaubt Yun schnell, dass er sich mit seinen Erfahrungen nicht hervortun will. Denn seine Bescheidenheit und Liebe zu Gott schimmert überall durch das Erzählte. Schier unglaublich erscheinen vielen Menschen im Westen jedoch manche Wunder, die er schildert. Ist das wirklich so passiert? Zwei der obersten Kirchenleiter der Hauskirchen-Bewegung in China, die über viele Jahre mit ihm zusammen gearbeitet und gelitten haben – Xu Yongze und Zhang-Rongliang -, bestätigen die Ereignisse in ihren Vorworten: Es ist alles authentisch, nichts erfunden!

Mit seinem Buch will Yun Gottes mächtige Taten bezeugen und die Christen im Westen „herausfordern“. Damit sie „zurück zu den Ursprüngen“ gehen, „damit sie die Stimme Jesu wieder hören“. Denn, so schreibt er: „Jesus ist es wahrhaftig wert …, dass wir ihm unser ganzes Leben geben. Wenn Sie das tun, werden Sie es sicher nie bereuen.“

(Quelle: Brunnen Verlag Schweiz – jesus.ch / Bild: livenet.ch)

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