Erol Dora – der Christ im türkischen Parlament

Er ist nur einer der Abgeordneten des neuen türkischen Parlaments – aber Erol Dora ist hier der erste Christ seit fast 50 Jahren. Dora gehört zu der kleinen Gruppe der Syrisch-Orthodoxen. Die fühlen sich in dem Land diskriminiert – und eine seiner Aufgaben wird sein, ihre Lage zu verbessern.

Ganz tief im Südosten der Türkei an der Grenze zu Syrien liegt der Tur Abdin – ein Mittelgebirge, das seine christlichen Bewohner “Berg der Knechte Gottes” nennen. Der Landstrich war über Jahrhunderte das Kernland der syrisch-orthodoxen Kirche. Heute leben hier gerade noch rund 3000 Christen.

Einer von ihnen ist Erol Dora. Der 47-jährige Rechtsanwalt sorgte bei der Parlamentswahl vom vergangenen Sonntag für eine Überraschung: Er wurde mit Unterstützung der Kurdenpartei BDP als unabhängiger Kandidat ins Parlament von Ankara gewählt – als erster Christ seit fast einem halben Jahrhundert.

“Sehr positive Reaktionen”

“Meine  Kandidatur und Wahl hat Aufsehen erregt unter den Assyrern hier in Mardin und Midyat aber auch im Ausland – überall dort, wo Assyrer leben”, betont der Vater von drei Kindern, der neben Türkisch und Kurdisch auch Aramäisch, Englisch und Armenisch spricht. “Es gab sehr positive Reaktionen.”

“Assyrer” ist eine andere Bezeichnung für die Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche, von denen in der gesamten Türkei noch 8000 bis 9000 leben – die meisten in Istanbul. Sie gehören ebenso zu den einheimischen Christen wie die rund 3000 Griechen und die 60.000 Armenier. Im Gegensatz allerdings zur griechisch-orthodoxen und armenisch-apostolischen Kirche, denen die türkische Regierung in den vergangenen Monaten gewisse Zugeständnisse gemacht hat, bläst der syrisch-orthodoxen Kirche nach wie vor ein steifer Wind ins Gesicht.

Seit Jahrtausenden im Land

“Die assyrischen Christen haben sich schon immer diskriminiert gefühlt”, sagt Dora. Sie seien schließlich nicht nur eine religiöse Gemeinschaft in der Türkei, sondern sie leben hier auch seit bereits 6500 Jahren. “Wir haben erhebliche Probleme. Diese betreffen zum Beispiel unsere religiösen Stiftungen oder die Eigentumsverhältnisse unseres Klosters Mor Gabriel.”

Mor Garbiel gehört zu den ältesten christlichen Klöstern der Welt. Es gilt als das theologische Herz der syrisch-orthodoxen Kirche in der Türkei und es steht zu befürchten, dass es durch ein ausgesprochen dubioses Rechtsverfahren einen Teil seiner Ländereien abgeben muss.

Mit lauter Stimme gegen die Probleme

Damit würde die Position der Assyrer im Tur Abdin abermals geschwächt – aus dem während der 80-er Jahre tausende Christen auswanderten. Denn im bewaffneten Kurdenkonflikt waren sie zwischen die Fronten des türkischen Militärs auf der einen und der kurdischen PKK auf der anderen Seite geraten. Auch wenn mittlerweile einige wenige der ausgewanderten Christen wieder zurückgekehrt sind – Druck verspüren sie immer noch.

Gerade deshalb sagt Erol Dora mit Blick auf seine künftige Arbeit im türkischen Parlament: “All unsere Probleme habe ich bei verschiedenen Anlässen immer wieder zu Wort gebracht”, sagt er. “Jetzt aber, durch meine Wahl, hoffe ich, sie noch lauter zu Wort bringen zu können.”

Quelle:  www.tagesschau.de

Gesellschaft, Gottes Menschen von heute

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